Zoer & Velvet CSX

Wechselwirkung

Zoer&Velvet – zwei Künstler/ zwei Werke – zwei Orte/ zwei Stile

Immer mehr Flächen werden versiegelt. Beton, Zement und Asphalt verdrängen die Natur – auch wenn genau solche Orte den beiden Französischen Künstlern Zoer und Velvet als `Leinwand` für ihre Werke dienen, so kritisieren sie gleichsam doch solche Entwicklungen. Ihr Wandbild an der Kurt-Schumacher-Straße zeigt Szenen eines Flughafens, scheinbar friedlich wirkt es wie ein Provinzflughafen – jedoch stammen die Bilder, collagenhaft zusammengesetzt aus der Besetzung eines drohenden Flugbahnausbaus. Subtil wird hier Aktivisten und Aktivistinnen ein Denkmal gesetzt.

Ihr Werk am Siegfriedplatz, so simpel es auch scheint, birgt die jüngere Geschichte Bielefelds…Kleiderbügel – Träger der Stoffe, die Bielefeld einst reich machten purzeln die Wand hinab, leer, beliebig und austaschbar sind sie Symbol der heutigen Konsumgesellschaft.

 

 

 

 

 

IMG_4782 IMG_4798 IMG_4961 IMG_4889 IMG_4879 IMG_4877 IMG_4861 IMG_4854 IMG_4975IMG_5048IMG_5037IMG_5019IMG_5023IMG_5076IMG_5070IMG_5064IMG_5058IMG_4965IMG_5007 IMG_5072

Das französische Künstlerduo Zoer und Velvet lernte sich während ihrer Ausbildung zu Grafik-Designern kennen. Die gemeinsame Liebe zum Objekt und zu Graffiti  führte dazu, dass aus einer anfänglichen Rivalität zuerst eine intensive kreative Partnerschaft und schließlich die CSX-Crew hervorging.
 Mittlerweile hat der Dialog zwischen Zoer und Velvet zu einzigartigen künstlerischen Schöpfungen geführt, und nach wie vor sieht jeder der Beiden im Anderen die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln.

ZOER
Die Suche nach Sinn ist das Herzstück von Zoers Arbeit. Schon als Schüler verbringt er die Pausen damit, die verstopften Straßen zu zeichnen, die er auf dem Schulweg durchquert.
Außerdem fasziniert Zoer in jungen Jahren die Zerstörung von Gegenständen. Dies nicht um der Zerstörung selbst willen, sondern um den kindlichen Hunger nach neuen Formen, veränderten Zuständen und Objekten zu stillen, in Raum und Zeit tätig zu werden und seine Phantasie mit neuen Strukturen zu bereichern. Von Autos und anderen technischen Entwicklungen fasziniert, tauchen noch heute in Zoers Werken immer wieder Stapel von Fahrzeugen und ähnliche Objekte auf, die die kulturelle Widersprüchlichkeit dieser Errungenschaften offenlegen.
So entwickelt er von der Kindheit an bis heute ganz unbewusst eine ausgezeichnete Beobachtungsgabe und sein künstlerisches Vokabular,
Dass er als Teenager zum Comic findet, erscheint vor diesem Hintergrund fast unvermeidlich. Natürlich zeichnet er selbst, war aber auch an Fanzines beteiligt. So entwickelt sich sein Gespür für die Gestaltung von Erzähltem. Schnell ist er für seine schier unerschöpfliche Gabe bekannt, eine Verbindung zwischen Bild und Buchstaben zu schaffen. Während dieser Arbeit lernt er außerdem, zwischen den Zeilen zu lesen. Wie er selbst sagt, schienen diese „blinden Zeilen“ nur darauf gewartet zu haben, von ihm entdeckt zu werden.
2002 findet Zoer zur Malerei. Er konzentriert sich seitdem konstant auf zwei gestalterische Varianten in seinem Schriftzug. Die erste ist eine stark vereinfachte, fast kindliche Variante, die ihren Ursprung in der Spontaneität des klassischen Graffiti hat. Die zweite ist demgegenüber technisch und präzise, inspiriert von mechanischen Strukturen und Architektur.
Zwischen diesen Polen entdeckt Zoer unbekannte, oft verlassene Orte wie ein unangeleinter Hund. In seiner visuellen Sprache kultiviert und verbindet er das Paradoxe: Die Gewalt des Gegenstandes mit der Vernunft des Betrachters. Die präzise Beobachtung führt zur Erkrankung – der Realismus lässt Utopia gefrieren.

VELVET
Velvet kommt aus der traditionellen Malerei, und es ist die Langsamkeit der gestalterischen Geste, mit der sich sein Werk vorrangig auseinandersetzt. Etwa im Jahr 2000 beginnt er, klassische Malerei mit Graffiti zu verbinden.
Er spielt mit den Möglichkeiten und schafft extravagante Wildstyles auf Wänden, aber auch aufwendige Aquarelle auf Papier. Durch seine Vielseitigkeit und die hervorragende Ausarbeitung seiner Styles wird er in der Graffitiszene schnell bekannt. 
In seinem Schaffen thematisiert er vor allem die Wechselwirkung von Industrialisierung und kollektiver Erfahrung. Um diese oft konfliktreiche Beziehung zu visualisieren, integriert er veraltete und moderne Objekte in seine Arbeiten. 
Neben dieser zeitgenössischen Herangehensweise unterhält er eine liebevolle Beziehung zur klassischen Malerei. Von Gerhard Richter und Arman beeinflusst, konfrontiert in Stillleben und in der Landschaftsmalerei eine idealisierte Vergangenheit mit einer im Wortsinn ent-täuschenden Gegenwart.
 Manierismus und Ernüchterung, Rhythmus und Beständigkeit, Realität und Phantasie sind die Schlüsselbegriffe, die seiner Arbeit zugrunde liegen. Sein Stil ist narrativ, erzählt aber immer nur die ersten Sätze der Geschichte. Der Betrachter ist eingeladen, sich eine eigene Vorstellung von ihrem möglichen Verlauf zu machen. 
Velvet kombiniert und reflektiert seine intimsten Erinnerungen mit einer sorgfältigen Beobachtung seiner Umgebung, um eine Welt im Konflikt darzustellen.